Exkursionen

Israel 2012

Ein wichtiger Bestandteil des Studiums der Kulturanthropologie sind Exkursionen. Auf dieser Seite werden geplante Exkursionen angekündigt und einige vergangene Exkursionen in Form von Fotos und kurzen Berichten durch Studierende vorgestellt.

Die Exkursion führt uns im Frühlingssemester 2024 nach Südspanien. Wir werden die Reise in Málaga starten und sie auch dort beenden (Do, 9.5. und Mo, 20.5.2024 sind als Reisetage gedacht).
Die Reise führt voraussichtlich von Málaga nach Sevilla, Córdoba, Úbeda, Jaén, Granada und zurück nach Málaga.

Wir werden uns mit Geschichte und Gegenwart dieser überaus reichen Kulturlandschaft auseinandersetzen, insbesondere mit Fragen des maurischen Erbes, der Migration, der Landwirtschaft, mit dem Kulturerbe und mit der historischen Aufarbeitung der Franco-Zeit.

Wir unternehmen die Exkursion gemeinsam mit dem Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der LMU München. 

Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Die Anmeldungen werden nach Eingangstermin und Eingang der Anzahlung berücksichtigt. Weitere Informationen hier.

Die Exkursion macht uns mit der Situation einer Region vertraut, die am Rande von Europa liegt und doch ganz intensiv mit Europa verbunden ist. Das ohnehin nicht einfache Verhältnis zum Vereinigten Königreich und zu Europa ist nach dem Brexit noch viel komplizierter geworden. Was heisst das für eine Region, die sich seit langem für mehr Autonomie einerseits und für grössere Nähe zu Europa andererseits einsetzt? Was für ein Selbstverständnis zwischen eigener Geschichte und Identität und den Herausforderungen der Gegenwart lässt sich hier finden? Welche Rolle spielt dabei das vielfältige kulturelle Erbe? Welche Rolle spielen die komplexen räumlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse zwischen Städten, Highland und Inseln, welche Gemeinsamkeiten und Differenzen bestehen? (LV 67842).

Die Exkursion dauert vom 29. Juni bis 11. Juli 2023.

Am 14. Dezember 2022 fand die obligatorische Vorbesprechung statt.

Studierende im Museum
gut gelaunte Studierende
Gruppenbild
im Museum
im Museum

„Hypezig“ – mit diesem Begriff brachte der Schriftsteller André Hermann vor ca. 10 Jahren die Entwicklung seiner Heimatstadt auf den Punkt. Er spiegelt ambivalente Erfahrungen: Ungebremst erscheint der wirtschaftliche Aufschwung Leipzigs, der zugleich Freiräume zerstört und Verlierer:innen produziert. Fulminant scheint der Weg von der verfallenen, stinkenden Industriestadt zur glamourösen Metropole, die Schattenseiten überblendet. Ausgerüstet mit Rolf Lindners theoretischem Konzept spürt die Exkursion dem "Imaginären der Stadt" nach, das die Spezifik einer Stadt zu erkennen sucht. Diese Perspektive verzahnt Gegenwart und Geschichte. Der Blick richtet sich auf Akteur:innen und materielle Kulturen, auf Architekturen und Infrastrukturen. Stadtspaziergänge, Besuche renommierter Museen und der Universität bringen uns ins Gespräch mit Expert:innen vor Ort. (LV67843)

Die Exkursion dauert vom 17. bis 21. April 2023.

 

Leipzig oder Hypezig? ­– Studierende berichten von ihrer Exkursion nach Leipzig. 

Studierende der Kulturanthropologie erlebten auf der Exkursion «Messen, Moden, Museen» nach Leipzig eine Stadt der Widersprüche — Hipsterbars und Kaffeehäuser, aufeinanderprallende Nazi- und Antifa-Demos, barocke Fassaden neben Plattenbauten. Der dreitägige Besuch, der Mode- und Stadtforschung verknüpfte, war gefüllt mit Inputs von inspirierenden Menschen: Kunsthistoriker*innen und Kurator*innen schenkten uns Einblicke in ihre Arbeit und erzählten von ihrer Stadt — eine gelungene Auswahl für die Stadtexkursion unter der Leitung von Dr. Ulrike Langbein, die en passant wertvolle Einsichten in das Leben der DDR gab. Wir erlebten nicht nur 
Stadtführungen bei eisigem Ostwind und intensive Museumsbesuche, sondern machten auch gemeinsame Erfahrungen, die nachklingen: Pizza essen, Stadterkundungen auf eigene Faust, Uno spielen und spannende Diskussionen bei Currywurst und Bier. Die Exkursion ermöglichte einen facettenreichen kulturanthropologischen Blick auf die Geschichte und die Dynamiken der Stadt, auf ihre Szenen und Milieus. Vor allem aber ermöglichte sie uns forschendes Lernen.

Text und Fotos: Anna Lenzin und Alissa Maimone

Exkursion nach Wien

Exkursion nach Wien

Pforte zu den Museen

Das scheinbar ewig lebende Wien, die Pforte zu den Museen (Foto: S. Schraner)

Gräber in der Kapuzinergruft

Die Kapuzinergruft als Erinnerungsort (Foto: S. Schraner)

Volkskunde Museum Wien

Museale Darstellungen im Volkskunde Museum Wien (Foto: A. Serratore)

Brunnenmarkt

Der Brunnenmarkt (Foto: N. Scheurer)

Unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Leimgruber reist eine Gruppe von Studierende der Universität Basel vom 09. bis 12. Januar 2023 nach Wien. Die Exkursion geht der Frage nach, welche Diskurse von Aufstieg und Niedergang sich in Museen, aber auch in städtebaulichen und architektonischen Strukturen widerspiegeln. Eine aktive Teilnahme bedingte die Einarbeitung in ein museales oder städtebauliches Beispiel und eine entsprechende Präsentation während des Aufenthalts in Wien. Die Exkursion findet begleitend zum Seminar „Aufstieg und Niedergang von Kulturen und Gesellschaften aus kulturanthropologischer Perspektive“ statt.

 

Das scheinbar ewig lebende Wien 

Wird ein Geschichtsbuch aufgeschlagen, wird einem vom Niedergang der Habsburgermonarchie am Ende des 1. Weltkriegs erzählt. Und doch, wenn wir als Exkursionsgruppe durch Wien liefen, zeigte sich uns ein anderes, weniger abgeschlossenes Bild. Formen von einem kaiserlichen Wien sind immer noch da. Es wird am Leben gehalten und begleitet einem durch die Innenstadt mit den strahlend weissen Fassaden und den prunkvollen Goldverzierungen. Eine imperiale Fassade mit imposanten Gebäudekomplexen erzählt ein Narrativ von Exklusivität, Prunk und damit auch Macht. 

 

Die Kapuzinergruft als Erinnerungsort 

Über die Habsburger wird getrauert und erinnert, wobei oftmals unklar ist, sowohl im populären wie auch wissenschaftlichen Diskurs, wieso getrauert wird und an wen erinnert wird. Wird an eine royale Imaginationswelt erinnert und dem Zerfall einer alten Ordnung nachgetrauert? Wo fängt ein Mythos an und wo hört er auf? Ein Ort, in dem diese Auseinandersetzung greifbar wird, ist die Kapuzinergruft. So begegnen wir in der Kapuzinergruft einer aktiven Erinnerungskultur rund um die Habsburger: Kränze werden gelegt, Kerzen angezündet und Gedenkbriefe geschrieben. Und auch wir als Exkursionsgruppe schreiben uns zu einem gewissen Grad in diese Erinnerungskultur ein und halten sie am Leben durch unseren Besuch.

 

Museale Darstellungen

Das Volkskunde Museum Wien thematisiert Aufstieg und Niedergang in ihrer Dauersammlung auf zwei unterschiedliche Weisen. Einmal entspricht die Ausstellung einer traditionellen Schausammlung zur historischen Volkskultur. Darin werden die wechselnde und teilweise auch bestehende Lebenswelten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert beleuchtet mit einem Fokus auf einem ländlichen Alltag. Anderseits finden sich zwischen alten Schränken und Tische seit 2018 auch andere Objekte. Mit „Die Küsten Österreichs“ zeigt sich die Schausammlung in einem neuen Licht. Sie wird kontrastiert mit Objekten von Geflüchteten, welche als eine Art Intervention im Raum wirken. Mit dem Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Objekte gibt es eine Kontextualisierung und Aktualisierung von der bisherig ausgestellten Erzählung. 

 

Der Brunnenmarkt als Zeichen für ein migrantische Wien?

Eine andere Form der ausdrücklichen Thematisierung von Migration stellt der Brunnenmarkt dar. Etwas außerhalb der Innenstadt finden sich dort unter freiem Himmel zahlreiche Stände, welche Lebensmittel anbieten. Er wird von der Stadt Wien als längster Strassenmarkt beworben, dabei wird vor allem die Vielzahl von kulturellen Hintergründen betont. Dies fällt auf, da im imperialen Licht der Stadt, wie sie sich bisher gezeigt hat, dieser Aspekt nicht erwähnt wird, im Zusammenhang mit dem Markt aber werden Migrationsgeschichten betont. Der Markt wird verwendet um aufzuzeigen, wie die Stadt Wien sich am Verändern ist und stellt eine singuläre Erzählung eines Aufstiegs einer diverseren Gesellschaft dar. Der Brunnenmarkt lässt sich somit zwischen Vorzeigeprojekt, Reduktion und Verdrängung situieren.

 

Text: Anina Branger

Die Exkursion (VV-Nr. 65615) ins Fürstentum Lichtenstein musste leider mangels Anmeldunen abgesagt werden.

"Wenn man aus einem kleinen Land stammt, ist man so gut wie überall auf der Welt im Ausland. Man ist gewissermassen ... ein verschwindendes Ereignis." (Hans-Jörg Rheinberger, in: Benjamin Quaderer: Für immer die Alpen. München 2020)

Das kleine Fürstentum Liechtenstein wird in der öffentlichen Wahrnehmung auf die Erbmonarchie der Fürstenfamilie, den Finanzplatz und seltene Briefmarken reduziert. Jenseits dieser Klischees handelt es sich um einen Kleinstaat im Rheintal, der nicht nur über Wirtschaftskraft, eine hochentwickelte Industrie und attraktive Arbeitsplätze verfügt, sondern auch über eine generell hohe Vielfalt auf sprichwörtlich kleinem Raum (konkret auf nur etwas mehr als 160 km²).
Auf dieser Forschungsexkursion nähern wir uns diesem Staat in verschiedenen thematischen Zugängen, die den Fokus sowohl auf historische wie auch auf gegenwartsbezogene Fragen lenken, um Liechtenstein so als ethnografisch beobacht- und analysierbaren Ort in den kulturanthropologischen Blick zu nehmen. Entlang der unterschiedlichen Raumstrukturen des Fürstentums – zwischen «Oberland» und «Unterland» und den stark präsenten Bergen – werden wir Liechtenstein und seine oft überraschenden Städte und Orte erfahren und ethnografisch befragen. Wir thematisieren den alpin-urbanen Hauptort Vaduz, umstrittene Wirtschaftsbranchen wie die Spiel-Kasinos (10 Kasinos auf 40'000 Einwohner:innen, so dass Liechtenstein als "Las Vegas der Alpen" bezeichnet wurde), den Wissenschaftsstandort mit der 2011 gegründeten Universität, die Rolle des Rheins als Grenzfluss, alpine Landschaften zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Tourismus, die «Walsersiedlung» Triesenberg, den Umgang mit den zahlreichen Pendler:innen (mehr als Hälfte der in Liechtenstein arbeitstätigen Personen) und das prosperierende «Wirtschaftswunder Liechtenstein». Neben verschiedenen Museumsbesuchen (Liechtensteinisches Landesmuseum, Wohnmuseum Schellenberg, Kunstmuseum in Vaduz) begegnen wir kulturwissenschaftlich tätigen Menschen, konkreten Räumen und Forschungsfeldern (so etwa auch dem volkskundlichen Langzeitprojekt «Menschen am Schellenberg»). Zudem werden wir verschiedene Methoden zur ethnografischen Annäherung an dieses zugleich vertraute wie fremde Land einüben und anwenden, etwa das Spazieren und Verweilen im Raum, das teilnehmende Beobachten von alltäglichen Praktiken und die kritische Analyse von Darstellungsformen und Inszenierungen.

Level Up! Flyer Studierendentagung

Spiele begleiten uns seit der Kindheit. In der Zwischenzeit haben sich aber sowohl die Spiele als auch die Spieler selbst weiterentwickelt. Diesen Entwicklungen wurde bei der dreitägigen SGV Studierendentagung 2022 nachgegangen. In diesem Sinne: Level up!

Während der Studierendentagung bewegten wir uns spielerisch durch die Thematiken rund um analoge und digitale sowie «reale» Spiele. Dabei sind sowohl spielende Personen als auch Personen, die bei der Entwicklung von Spielen mitwirken, von Interesse. Wir wollten uns Fragen wie «Woher kommt die Idee für ein Spiel?» oder «Welchen Einfluss hat ein Spiel auf die Beteiligten?» stellen. Dabei näherten wir uns solchen Fragen literaturbasiert und praktisch .

Neben der Bearbeitung des Themas «Spiel» wurde auch der studentische Austausch zwischen Studierenden aus Basel und Zürich gepflegt.

Die Tagung von und für Studierende fand vom 2. bis 4. September 2022 in Lausanne statt.

Die Exkursion nach Kiel und Umgebung (VV-Nr. 62371) fand schliesslich vom 7. bis 11. Juni 2022 statt.

Seit dem 18. Jahrhundert gab es in allen europäischen Ländern Versuche, eine eigene nationale Identität herzustellen, indem sich auf vermeintlich langzurückliegende, zumeist mythisch gerahmte «Völker» bezogen wurde. Historiker, Philologen und Volkskundler unterstrichen die Bedeutung der eigenen Nation, indem sie deren angebliche lange Dauer betonten. Dieses symbolische „Nation Building“ wurde besonders stark in den deutschen Territorien betrieben, wo eine politische Einigung erst 1871 erfolgte.
Eine wichtige Traditionslinie, die hier „erfunden“ (E. Hobsbawm) worden ist, stellte das sogenannte Germanentum dar, dessen Ursprung vor allem in den Norden imaginiert wurde. Daher sind verstärkt im heutigen Schleswig-Holstein Anstrengungen unternommen worden, diese Traditionslinie mit Evidenz zu unterfüttern: Zwischen dem 19. Jahrhundert und dem Ende der NS-Zeit wurden sogenannte Wikingerdörfer unter politischen Vorzeichen archäologisch erschlossen und ideologisch musealisiert (etwa Haitabu), vermeintliche Thingstätten wurden in Schleswig-Holsteinischen Wäldern entdeckt – und als „echte“ deutsche Art der Politikgestaltung verklärt – und schliesslich führten die Nationalsozialisten Masseninszenierungen eines angeblich «arischen Volkslebens» durch (vgl. die sog. „Nordmarkfeierstätte“ in Bad Segeberg).
In der Forschungsexkursion widmeten wir uns diesen „lieux de mémoire“ (P. Nora), haben uns mit der Geschichte der mythohistorischen Wissensproduktion beschäftigen und uns direkt vor Ort damit auseinandergesetzt, wie die Bundesrepublik mit diesem Geschichtserbe umgeht – und bei alldem wird die prominente Beteiligung der Volkskunde beachtet.

Im Seminar kann im 3. Stock eine Photoausstellung der Exkursion besichtigt werden.

Berner Oberland

Alpiner Raum im Wandel: Eine Erkundung im Berner Oberland zwischen Grimselpass und Interlaken. Die 4-tägige Exkursion (LV-Nummer 59007) fand vom Montag, 13. bis Donnerstag, 16. September 2021 statt.

Das Bild der Alpen hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten im Bewusstsein seiner Bewohner wie seiner Besucher massiv gewandelt. Einst als Ort der Risiken wie Bergstürze bezeichnet, erscheinen die Alpen bis heute als eine gezähmte „Wildnis“, die dem Vergnügen von Sommer- und Wintertouristen entsprechen soll, erschlossen durch Bahnen, Schiffe sowie Subventionen für heimatliche Freiluftmuseen und kleinbäuerliche Alpwirtschaften. Jedoch werden wir hier ein etwas anderes Bild des Berggebiets antreffen: Massive Grimsel-Stauwerke der Elektrizitätswirtschaft, wichtige Schutzwälder im obersten Aaretal, morgenländisch inspirierte Nischenkulturen hoch über dem Brienzersee, die Ursprünge des Mundartrock sowie das Treiben von Paragleitern über dem „Bödeli“ von Interlaken. Und dass mit dem Klimawandel auch die alten geologischen Gefahren zurückkehren, ist ebenfalls in Rechnung zu stellen.

Elena Degen und Byron Dowse haben einen Bericht über die Exkursion verfasst, "Dem Wandel des alpinen Raums auf der Spur", der am 10. Oktober 2021 in der Jungfrau Zeitung erschienen ist.

Aufgrund der Pandemiesituation wurde die Exkursion um ein Jahr in den Herbst 2021 verschoben. Sie fand vom Dienstag 7. bis Samstag 11. September 2021 statt.

In der von Jonas Aebi geleiteten Exkursion (VV-Nr. 56857) in die «Hauptstadt der EU» befassten wir uns mit den vielschichtigen kulturellen, sozialen und politischen Räumen, die in dieser «kleinen Weltstadt» (Eric Corijn / Jessica van de Ven) historisch gewachsen sind und sich in der Gegenwart der Stadt überlagern. 

Scheinbar wie ein UFO haben sich die europäischen Institutionen in diese Stadt gesetzt und mit ihnen die „Eurokrat*innen“ aus dem ganzen Kontinent. Nur wenige hundert Meter weiter, und doch deutlich getrennt, trifft sich im Matonge-Quartier die kongolesische Diaspora. Wenn dort nach Wahlen im Kongo Autos brennen, wird die belgische Nation an ihre koloniale Schreckensherrschaft erinnert. Doch im Zentrum der Aufmerksamkeit stand in den letzten Jahren ein anderer Schrecken: Ein «Terrornest» tauften die Medien das Molenbeek-Quartier im ehemaligen Industriegürtel der Stadt, in dem viele muslimische Menschen leben. Auch sie sind letztlich eine stetig vorhandene Erinnerung an die Gastarbeiter-Vergangenheit einer Stadt, die schon immer von Migration geprägt war und geprägt sein wird – wie auch die Räume um den Gare du Nord zeigen, in denen heute Auswirkungen des aktuellen Migrationsregimes Europas sichtbar werden. Auf der Exkursion betrachteten wir deshalb Brüssel als ein Beispiel einer kosmopolitischen und postmigrantischen Stadt.

Dabei widmeten wir uns Fragen wie: Welche politischen Prozesse – etwa Globalisierung, Europäisierung, Migrationspolitik, Anti-Terror-Sicherheitspolitik – lassen sich in der Stadt erkennen? Welche konkreten sozialen und kulturellen Konflikte entstehen dabei in dieser kleinen Weltstadt? Wie geht man in Brüssel mit dieser teilweise schmerzhaften und sehr ungleichen Vielfalt um? Wie zeigt sich Geschichte im gelebten städtischen Raum und wie prägt sie ihn? Welche neuen Ansätze von nicht-nationaler Bürgerschaft werden erprobt, welche politischen Konflikte ausgetragen?

Die Exkursion versuchte so, die Stadt als eine räumliche Materialisierung historischer und politischer Prozesse zu verstehen, in dem gefragt wurde, wie sich ausgehend von konkreten städtischen Räumen gesamtgesellschaftliche Konflikte beobachten und analysieren lassen. Dies taten wie in erster Linie mittels ethnographischer Erkundungen, etwa durch Wahrnehmungsspaziergänge, teilnehmende Raumbeobachtungen oder einem Museumsbesuch im «dekolonialisierten» Museum für Zentralafrika. Zudem wurden soziale und kulturelle Institutionen besucht und Gespräche mit Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen geführt.

 

Die Studierendentagung 2021 der SGV fand vom 1. bis 3. September 2021 in der Region Ballenberg statt (LV-Nummer 62372).

In einer Welt, in der immer alles schneller vorangeht und digitalisiert wird, bildet altes Handwerk eine Konstante. Schmied*innen, Polster*innen, Buchbinder*innen und Steinbildhauer*innen, alte Handwerksberufe mit grosser Tradition, welche einem Wandel unterliegen. Worin besteht die Stärke und Widerstandskraft von Handwerksberufen? Was erzählt ihr Werk für eine Geschichte und wie sieht der Arbeitsalltag aus?
An der Studierendentagung 2021 setzten wir uns nicht nur mit theoretischen Texten auseinander, sondern auch mit Filmen der SGV aus den 1940er- bis 1970er-Jahren sowie mit heutigen Aufnahmen über aussterbendes Handwerk. Wir untersuchten die gegenwärtige Bedeutungszuschreibung von Handwerk im Kontrast zur damaligen Zeit des «Bewahren Wollens». Weiter setzten wir uns mit aktuellen Film-Aufnahmen auseinander und entwickelten eigene Fragestellungen dazu.
Es bestand auch die Möglichkeit, diese Fragen direkt an Handwerker*innen zu stellen und gleich selbst praktisch Hand anzulegen. Ausserdem fand ein kritischer Austausch über die allgemeine Rolle des Fachs Kulturanthropologie zwischen den Studierenden aus Zürich und Basel stattf.

Orte europäischer Erinnerung, Hamburg und Berlin (LV-Nr. 56858)

Nachdem die Exkursion wegen der Pandemie um ein Jahr in den Frühsommer 2021 verschoben werden musste, konnte sie vom Sonntag, 13. bis Sonntag, 20. Juni 2021 schliesslich stattfinden. Aufgrund des grossen Interessses und der unsicheren Lage wurde sie in zwei Gruppen aufgeteilt, die in entgegengesetzer Richtung reisten.

Die Exkursion hatte zum Ziel, europäische Erinnerungsorte in Deutschland zu erkunden. Bei der Debatte über nationale und europäische Identität wird den Erinnerungsorten seit Maurice Halbwachs und Pierre Nora eine besondere Bedeutung zugemessen. Wie diese Orte präsentiert und museal dargeboten werden, wie über sie debattiert wird und wie sie auf die Identitätsbildung wirken, konnte an konkreten Beispielen erforscht werden. In und um Hamburg wurden Erinnerungsorte besucht, unter anderem das Konzentrationslager Neuengamme und der Friedhof Ohlsdorf sowie der Hannoversche Bahnhof. In Berlin wurden Erinnerungsorte wie der Friedhof der Revolution 1848, der jüdische Friedhof Weissensee, Friedhöfe der Opfer des Zweiten Weltkriegs, die Berliner Mauer besucht. An beiden Orten war geplant, kulturwissenschaftliche Institute zu besuchen und einen Austausch mit den Studierenden zu organisieren. Darauf musste jedoch leider kurzfristig verzichtet werden.

Bannalp bei Tag

Zusammensitzen in der Sonne.

Bannalp bei Sonnenaufgang

Bannalp bei Sonnenaufgang

Die Studierendentagung der SGV fand vom 10. bis 12. September 2020 auf der Bannalp im Kanton Nidwalden statt. Eine überschaubare Gruppe an Studierenden der Universität Zürich und der Universität Basel kam zusammen. (LV-Nummer 58999)

Aufhänger und thematisches Angebot der Tagung stellte die Auseinandersetzung mit Traditionellem und Bekanntem dar. So besuchte uns bsp. Marius Risi, Ethnologe und ehemaliger Kulturbeauftragter für die Zentralschweiz, um uns seine kulturwissenschaftliche Arbeit mit ,,immateriellen Kulturgütern’’ vorzustellen und zu diskutieren. Die Idee der Tagung war auch, in einer lockeren Form Studierende einer anderen Uni kennenzulernen.  Abends im geheizten Stübli der Chrüzhütte oder am lodernden Feuer draussen wurden Geschichten über Gott und die Welt erzählt, die sehr gut zum Ambiente der Umgebung passten. Tagsüber verbrachten wir die Zeit mit Spaziergängen, Kochsessions, Lesen, Kartenspielen und gemütlichem Zusammensitzen.

Ein paar Tage auf der Bannalp zu verbringen, brachte es auch mit sich in einem rustikalen Dachstock zu schlafen, mit einem Ofen zu heizen und ja, vergleichsweise für eine Grossfamilie zu kochen. Sich die Zeit zu nehmen, um sich mit einem Thema ausserhalb der eigenen vier Wände zu beschäftigen, erlaubt einem manchmal eine andere Perspektive einzunehmen. Mutterkühe mit ihren Kälbern auf der Weide zu beobachten, dem ,,Bätruef’’ zu horchen und dem bergischen Leben etwas nachzuspüren.

Musikfestival Sur le Lac in Eggersriet im August 2019

Musikfestival Sur le Lac in Eggersriet im August 2019

„Essen, Bier, Aussicht – und vielleicht etwas Musik." Eine Festivalethnografie
Ausstellung zur Exkursion ans Musikfestival Sur le Lac in Eggersriet im August 2019
(LV-Nr. 55590: Musikfestival ethnografieren).

Was macht ein Musikfestival zu einem Musikfestival? Welche Erwartungen haben wir an ein Musikfestival? Wie lässt sich ein Musikfestival ethnografisch erforschen? Und wie können unsere Erkenntnisse ausgestellt werden? 

Aktuell zeigen Studierende des Seminars im zweiten und dritten Stock der Alten Universität am Rheinsprung 9 die Ausstellung zur Exkursion „Musikfestival ethnografieren“.

Traumhäuser fürs Alter

Traumhäuser fürs Alter

Geschichte(n) und Fassaden

Geschichte(n) und Fassaden

Tags im urbanen Raum

Tags im urbanen Raum

Abfallmanagement

Abfallmanagement

Wo versteckt sich Spanien?

Wo versteckt sich Spanien?

Kulturanthropolog*innen schnüffeln

Kulturanthropolog*innen schnüffeln

Die Exkursion "Kulturwissenschaftliche Erkundungen in Spanien" (52172) fand vom 6.9. bis 15.9.2018 statt.

Fotoausstellung zur Exkursion nach Murcia in Spanien im September 2018

Im September 2018 hat eine Gruppe Studierender unter fach- und ortskundiger Anleitung von Klaus Schriewer und Salvador Cayuela die südspanische Stadt und Region Murcia erkundet. Als Resultat der Exkursion haben die Studierenden eine Fotoausstellung erarbeitet, die einen Einblick in die Themen und Erkenntnisse der Studienreise bietet.

Fotos und Texte: Noemi Boss, Silja Bühler, Salvador Cayuela Sánchez, Rahel Christen, Svitlana Hess, Theres Inauen, Tomas Jezek, Rahel Ledergerber, Anna Leu, Klaus Schriewer, Renzo Siegrist, Jeannine Sutter, Domenique Zehntner

Traumhäuser fürs Alter

In der Region Murcia entstehen Siedlungen, die Träume erfüllen sollen. Menschen aus dem europäischen Norden verbringen ihren Lebensabend im Süden. Die günstigen Lebenskosten sowie das warme Klima sind attraktiv und ziehen viele Rentner*innen an. In den für sie erbauten Siedlungen bilden die zugezogenen Altersmigrant*innen eigene, vom restlichen spanischen Alltag scheinbar abgeschiedene Communities. Beim Spaziergang durch diese materialisierten Wohnträume haben uns die Standardisierungen genauso wie die ganz individuellen Aneignungen beeindruckt.

Geschichte(n) und Fassaden

Im städtischen Ensemble der spanischen Hafenstadt Cartagena zeigt sich anschaulich der Verlauf einer beindruckenden, 3000-jährigen lokalen Geschichte: An den Fassaden, im Mix der Gebäude und an den in der ganzen Stadt präsenten Ausgrabungsstätten römischer Kultur wird Geschichte sichtbar. Neu steht neben alt, Teile der Gebäude wurden bereits renoviert, andere zerfallen, hinter den historischen Fassaden werden hippe Wohn- und Ladenräume gebaut. Wir haben Cartagena als eine Stadt erlebt, in deren Stadtbild sich verschiedene Schichten von Geschichte(n) überlagern – die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (Ernst Bloch) hat uns auf Schritt und Tritt begleitet.

Tags im urbanen Raum

Zettelkultur und Graffiti eines Stadtviertels in Murcia gewähren einen Einblick in die Vielfalt des städtischen Mikrokosmos und verraten etwas über das Zusammenleben und die Alltagsrealitäten seiner Bewohner*innen. Die Tags in der von Migration geprägten Neustadt von Murcia haben uns einen Zugang zu häufig unsichtbaren Alltagsthemen wie informelle Arbeit, Religiosität oder politische Überzeugungen erlaubt.

Abfallmanagement

Rund um das ortsübliche Abfallmanagement gab es für uns Studierende aus der Schweiz besonders viel zu fotografieren: Am sonntäglichen Markt fehlte auch nur eine einzige Mülltonne für die vom Winde verwehten Plastiktüten. Und ausrangierte Möbel landen hier wohl häufig irgendwo zwischen den Büschen. Aber im Anschluss an die Prozession Romería de la Virgen Fuensanta hat uns die städtische Verwaltung mit einer gut ausgestatteten Putzequipe beeindruckt.

Wo versteckt sich Spanien?

Bei unserem Besuch auf der Marinebasis in Cartagena, während der Prozession zu Ehren der Stadtpatronin Murcias, oder bei den vielen Erkundungsspaziergängen durch die Stadt – in manchen Momenten kam uns Spanien einfach nur „spanisch“ vor, brachte uns zum Staunen, Mutmassen oder Nachfragen.

Kulturanthropolog*innen schnüffeln

Als Kulturanthropolog*innen treibt uns eine Neugierde für Details des oft unscheinbaren Alltags. Wir möchten möglichst alles selber ausprobieren, wir haken nach und gehen in die Tiefe. Wir blicken durch die kulturanthropologische Brille, zoomen nahe ran und gucken über Mäuerchen und hinter Fassaden. Und: Wir reflektieren auch immer wieder unsere eigene Rolle als Forschende und beobachten uns selbst beim kulturanthropologischen Schnüffeln.

 

Ein Bericht des Urner Wochenblatts lässt sich hier herunterladen.

Exkursion: Karlsruhe / ZKM-Ausstellung "Mapping Spaces"

Im Frühjahrssemester 2014 wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Ulrike Gehring des  Fachbereichs Kunstgeschichte der Universität Trier eine Exkursion in die Ausstellung "Mapping Spaces" des ZKM - Zentrum für Kunst und Medientechnologie organisiert.

Einen Artikel des Unijournal der Universität Trier finden Sie hier.

Tagungen (eine Auswahl)

Choose Belfast (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Choose Belfast (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Der Conventor als denkender Zuhörer (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Der Convenor als denkender Zuhörer (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Flaggen und Fuessball sind politisch (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Flaggen und Fussball sind politisch (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Märtyrer sterben nie (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Märtyer sterben nie (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Mediale gebrochene Anwensenheiten (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Mediale gebrochene Anwensenheiten (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

partial narratives of conflict (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

partial narratives of conflict (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Unionistischs Murial (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Unionistisches Murial (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Walls of Lockdown (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Walls of Lockdown (Fotos: Eberhard Wolff, Sebastian Dümling)

Sebastian Dümling und Eberhard Wolff haben als Convenor auf der Konferenz der European Association of Social Anthropologists  (07/2022) ein Doppelpanel mit insgesamt zehn Vorträgen unter dem Titel „Being there, but how? On the transformation of presences“ organisiert, das auf grosses Interesse stiess.

Die Konferenz fand in Belfast statt, einer Stadt, die ihrerseits gewaltige bzw. gewalttätige Umbrüche erlebt hat und in der mitunter sehr irritierende Wandbilder eine sehr gebrochene  Geschichte präsent halten, die noch nicht vergangen ist. 

 

«EMBEDDED DIGITALITIES», 5.-7.4.2018, Basel

Bryan Ford

Vortrag Dr. Bryan Ford (Lausanne) (C) Byron Dowse

Höhrsaal mit Kunstinstallation

Höhrsaal Alte Universität mit Kunstinstallation von RAEUBER & STEHLER (C) Byron Dowse

Inge Hinterwaldner

Vortrag Dr. Inge Hinterwaldner (Berlin) (C) Byron Dowse

Cryptoparty

Pizzaplausch bei der Cryptoparty (C) Byron Dowse

Die 6. Kommissionstagung der DGV-Kommission Digitalisierung im Alltag «Embedded Digitalities» fand am 5.-7.4.2018 in Basel in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde (SGV) satt. Organisatorinnen waren Ina Dietzsch und Sabine Eggmann. 

Die Tagung nahm die Beobachtung zum Ausgangspunkt, dass aktuell Forschende in allen gegenwärtig relevanten kulturwissenschaftlich/-anthropologischen Forschungsfeldern mit digitalen Phänomenen, Prozessen oder Infrastrukturen konfrontiert sind und die Digitalisierungsforschung aus der Nische einer Subdisziplin heraustritt. Mit dem zentralen Fokus der Tagung 2018 auf das Thema «Einbettungen» machten die Organisatorinnen diese Entwicklung explizit zum Thema. Das Digitale wurde als eine relationale Konstruktion in den Blick genommen und es wurde gezielt nach den verschiedenen Weisen gefragt, in denen digitale Medien, Technologien, Ideologien, Infrastrukturen etc. eingebunden sind.

 

Stimmen teilnehmender Studierender an der Tagung

„ ... Das sogenannte Digitale Zeitalter ist hier und jetzt, es rüttelt uns auf, bahnt neue Wege, verändert Wahrnehmungen und hält uns noch immer fest im Griff. Umso schwieriger, aber auch umso relevanter ist es, diese Prozesse aus kulturanthropologischer Sicht zu verstehen, zu kontextualisieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Dies setzte sich die Tagung Embedded Digitalities zum Ziel und lud dazu eine Reihe von Fachexpert_innen ein, die das Thema von Cryptology bis Emoji von allen Seiten beleuchteten. ... “ (Lucia Chen)

„ ... Die vielfältigen Arten und Weisen in denen Digitalität heute in unseren Alltag eingebettet ist und wird, stellten den thematischen Rahmen der Tagung Embedded Digitalities her. Unter dieser Perspektive vereinten sich nicht nur Angehörige des Fachbereichs Kulturwissenschaft / Ethnologie, sondern auch Vertreter der Informatik und weiterer Disziplinen wie zum Beispiel der Kunstgeschichte. Insgesamt 27 Referenten und Referentinnen präsentierten im Kontext der ‘eingebetteten Digitalitäten’ den ungefähr 80 Teilnehmenden ihre Überlegungen, Forschungsergebnisse, Erkenntnisse und Einblicke in laufende Forschungsprojekte. ...“ (Byron Dowse) 

„ ... Die Konferenz befasste sich damit, dass aufgrund der Omnipräsenz von Digitalität im Alltag digitale Phänomene zu einer Hauptangelegenheit kulturanthropologischer Forschung werden. Neben generellen Fragen zur Beziehung kulturwissenschaftlicher Analysen und dem ‚Digitalen‘ befasste sich die Tagung mit den Themenbereichen: digitaler Kapitalismus, digitale Praktiken und neuen Ordnungsweisen von Wissen. Die unterschiedlichen Keynote Vorträge beleuchteten alltägliche Aspekte der Digitalität aus den Wissensgebieten der Informatik, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft, womit die Reichhaltigkeit interdisziplinärer Blickwinkel ins Zentrum gestellt wurde. ...“ (Silvia Müri)

„Zusammenfassend bot die diesjährige Arbeitstagung zum Thema Embedded Digitalities der Kommission "Digitalisierung im Alltag" der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) eine ausgewogene Mischung an Forschungsfragen und -schwerpunkten, die durch die anregenden Beiträge und Diskussionsrunden vertieft werden konnten. Ziel der Tagung war es zudem, diese insbesondere durch den wissenschaftlichen Nachwuchs entwickelten Forschungsperspektiven zu versammeln, einen Überblick über die Fragestellungen und Gegenstände zu gewinnen sowie die Forschenden im Bereich der Digitalisierung im Alltag zu vernetzen. In vielen Beiträgen wurde ersichtlich, dass digitalen Praktiken unterschiedlichster Art und Ausprägung bereits fest in unser Alltagshandeln eingebettet sind und eine neue Möglichkeit der Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen etabliert haben. Sei es, wie im Vortrag von MARION NÄSER-LATHER im Falle der italienischen Frauenrechtsbewegung, die sich auf Kommunikationsplattformen im Internet organisiert oder aber ganz anders durch digitale und steuerbare Avatare, wie beispielsweise CHRISTOPH BAREITHER erläuterte. Dass diese digitalen Neuerungen insbesondere für die Geisteswissenschaften noch Berührungsängste hervorrufen, konnten u. a. WOLFGANG COY und ENRICO NATALE bildhaft darstellen. Die Tagung in Basel nahm, gespickt mit vielen neuen Ideen, Impulsen und weiterzudenkenden Forschungsfragen, am 07.04.2018 ihr Ende und man hofft auf eine baldige Anknüpfung, denn die Thematik der Digitalität wird, nicht nur in den Geisteswissenschaften, ganz sicher immer wieder neue Herausforderungen und Fragen aufwerfen.“ (Marianne Kupetz)

„Über die drei Konferenztage hinweg gab es eine Kunstperformance von Raeuber und Stehler. Die Tagungsteilnehmenden wurden aufgefordert, Objekte aus ihrem Alltag mitzubringen, die die Kunstschaffenden gehackt und dabei miteinander verbunden haben.“ (Silvia Müri)

„ ... Am Beispiel des Smartphones und der damit einhergehenden Veränderungen kultureller Praktiken verweist Gertraud Koch (Hamburg) darauf, wie essentiell es ist, dass das ‚Materielle‘ zuruck in den Diskurs uber das ‚Digitale‘ gebracht werden muss. Unter digitalen Praktiken versteht Gertraud Koch den Umgang mit Daten. Daten seien mehr als Nullen und Einsen. Daten sind nicht gegeben, sondern konstruiert. Was machen Menschen mit Daten? Das Phänomen des ‚Quantifizierten Selbst‘ sei nur die Spitze des Eisbergs. Unter dem Stichwort ‚Vergesellschaftung der Daten‘ musse mehr nach der alltäglichen Relevanz von Daten gefragt werden. ... “ (Silvia Müri)

„ ... Denn, so ermahnte WOLFGANG COY in seinem darauf folgenden Beitrag, es gelte, die Benutzung des Begriffs eher kontrovers zu diskutieren. Der Begriff ‘Digitalität’ bietet viel Interpretationsspielraum, alleine sogenannte ‘Buzzwords’ seien oft nicht einfach zu verstehen, da sie von PR und Medien zu schnell und zu unreflektiert aufgegriffen und (ab-)genutzt werden. COY statuierte, dass Worte wie ‘machine learning’, ‘Big Data’ oder ‘digitale Netzwerke’ oftmals von Journalisten und Journalistinnen schlagzeilentauglich kreiert werden, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen jedoch diese ganz anders benennen würden. Durch die Schnelligkeit der medialen Verbreitung jener Buzzwords kommt es daher zu einer (manchmal unkorrekten) Einnistung im Alltagsverständnis, das wiederum zwischen Geistes- und Naturwissenschaften zu Miss- oder Unverständnis führe.“ (Marianne Kupetz)

 „ ... MAXIMILIAN JABLONOWSKI (Zürich): ... Kontrovers bleibt aber die Frage, inwiefern die Maschine sich selbst steuert oder steuern darf. Dies akzentuiert auch einen ethischen Aspekt. Auch die physikalische Abwesenheit der Nutzer/in beweist nicht, dass [...] technische Geräte ganz ohne Menschen Entscheidungen treffen können, was wieder an den Beitrag von Wolfgang Coy erinnert, welcher Nutzende immer wieder in den Fokus setzte. ... “ (Deborah Brem)

„ ... MARION NÄSER-LATHERs (Marburg) Forschungsvorhaben beschäftigte sich mit der italienischen Frauenbewegung «Se non ora quando?». Die Bewegung organisiert sich primär über das Internet. Mittels der Konzepte der Assemblage und der Akteur-Netzwerk-Theorie untersuchte Näser-Lather sowohl in den Online-Netzwerken der Gruppierung als auch in ihrer Offline-Kommunikation, wie digitale Medien als Mittel zum Empowerment und für politisches Handeln genutzt werden und auch, wie die Feministinnen digitale Stolpersteine verhandeln. ...“ (Lucia Chen)

„ ... ANNA HENKE (Hamburg) sprach über die FinTech Branche, die, aufgrund des durch die Finanzkrise beförderten Imageverlusts der Banken, am Wachsen ist. FinTech steht für Innovationen gepaart aus Technik und Finanzwesen. Als Beispiel nennt Henke Online- Kreditvergabepraxen: Unternehmen stellen online eine Plattform bereit, um Menschen, die Geld ausleihen wollen und solche, die Geld verleihen wollen, miteinander zu vernetzen. Eine Praxis, die nicht nur Menschen, die bisher aufgrund mangelhafter Bonität aus der klassischen Kreditvergabe ausgeschlossen wurden, neue Anschlüsse bietet, sondern gleichzeitig die Finanzbranche vor neue Herausforderungen stellt. Anstelle komplizierter Compliance Strukturen bestimmen resp. berechnen Algorithmen die Kreditvergabe. Diese neue Praxis bewertet Anna Henke einerseits als Chance, warnt aber gleichzeitig vor der grossen Offenlegung an Daten, die von den Kreditnehmenden gefordert wird. Trotz allem stehe bereits fest, dass die FinTech die Finanzbranche modernisiere. ... “ (Silvia Müri)

«BRIAN FORD (Lausanne), Professor für dezentrale und verteilte Systeme erklärte der versammelten Gemeinschaft vereinfacht die Funktionsweise von Blockchain als Grundlage für Kryptowährungen sowie die Gründe für die Ineffizienz und Unsicherheit der Währung Bitcoin. Letzteres machte er interessanterweise durch die Übersetzung in eine kulturwissenschaftliche Terminologie, wo er mithilfe des Begriffs des "Hazing Rituals" die extrem energieintensiven Rechenoperationen beschrieb, welche Bitcoin-Neueinsteiger zu leisten haben. Hinzu kamen Überlegungen zur Verkörperung von Wert und dem angeblich demokratisierenden Effekt von dezentralen Kryptowährungen sowie der Frage eines bedingungslosen Grundeinkommens. “ (Byron Dowse) 

„ ... Die an die Vorträge anschliessende Cryptoparty, verband sodann auf gelungene Art und Weise den wissenschaftlichen Tagungsalltag mit der digitalen Freizeit der Teilnehmer_innen, indem diese von sogenannten Cryptoangels in die Kunst der digitalen Verschleierung und Verschlüsselung eingeführt wurden und gleichzeitig einen Einblick in die Ästhetik einer Cryptoparty erhielten (die durchaus einige umgekippte Bierflaschen und leere Pizzakartons beinhaltet). ... “ (Lucia Chen)

„ ...MATTHIAS HARBECK (Berlin) [...] argumentierte, dass alle forschungsrelevanten Punkte in der Sozial- und Kulturanthropologie digital archiviert und verhandelt werden, dies aber von den Ethnologen und Ethnologinnen nicht bewusst reflektiert wird. Das Fach ist sich seiner digitalen Beschaffenheit nicht bewusst, obwohl der digitale Alltag einen Grossraum in der Forschung einnimmt. Um dieses Bewusstsein zu schärfen und zudem den digitalen Alltag zu optimieren, versucht die Deutsche Forschungsgemeinschaft, kurz DFG, durch geeignete Fachinformationsdienste Standardisierungen und Vereinfachungen zu schaffen, die für Fach und Nutzende von Vorteil sind und zugleich das Bewusstsein für die digitale Ordnung und Nutzung schärfen. ...“ (Deborah Brem)

„ ... Das breite Angebot an Beiträgen in den drei Tagen hat verdeutlicht, dass nahezu überall Digitalität in irgendeiner Form in unseren Alltag ‘eingebettet’ ist und dass die Begrifflichkeit sehr differenziert betrachtet werden muss. Einerseits ist Digitalität in unserem Alltag selbstverständlich und kaum noch bewusst wahrnehmbar, andererseits wurde durch die Tagung auch deutlich gemacht, wie gross die Bandbreite eigentlich ist. Die spannenden Diskussionen rund um das Thema haben dazu eingeladen, sowohl einen offeneren als auch kritischeren Blick zu schärfen, gerade auch für Themen, die auf den ersten Blick nicht vertraut, aber sehr aufschlussreich sind. ... “ (Deborah Brem)

„Ganz im Zeichen des Networkings stand [...] die Tagung insgesamt, denn diese bot eine kollegiale Atmosphäre und Plattform für Vernetzung mit gleichgesinnten Forscher_innen aus verschiedenen Fachbereichen, die diese auch rege zu nutzen wussten.“ (Lucia Chen)

„Utopias, Realities, Heritages. Ethnographies for the 21st century“ – SIEF-Kongress in Zagreb im Juni 2015

Vom 20. bis zum 25. Juni 2015 reiste eine studentische Delegation des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel zusammen mit den Assistierenden Konrad Kuhn und Theres Inauen an den 12. Internationalen Kongress der SIEF (Société Internationale d’Ethnologie et de Folklore), der in Kroatiens Hauptstadt Zagreb stattfand. Einige Beobachtungen, Eindrücke und Überlegungen zum Kongress-Geschehen, an dem über 900 Wissenschaftler_innen aus der ganzen Welt teilnahmen:

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Der in Zagreb stattfindende 12. SIEF-Kongress war geprägt durch ein ausserordentlich umfangreiches und vielfältiges Programm, das eine Präsentationsplattform für alle möglichen Fachbereiche und Themen bot. Die im Kongresstitel genannten Begriffe “Utopias, Realities, Heritages” definieren laut dem SIEF-Präsidenten Valdimar Hafstein “the society and its field(s) of research and practice; these are the concerns that mark the common ground of ethnologists and folklorists”. Viele weitere ähnliche Aussagen sind als Begrüssung im Kongressbuch zu lesen und es ist sehr interessant, zu vergleichen, wie der Kongress und die SIEF in eben dieser Publikation präsentiert werden und was für Erfahrungen man vor Ort sammelt, wenn man als BA-Studentin zum ersten Mal selber an so einem Kongress teilnimmt.
Céline Haas

Der SIEF-Kongress beinhaltete viele Themen wie Home, Migration, Body, Religion oder Food. Diese unterschiedlichen Themenfelder wurden verknüpft durch die roten Fäden  Utopias, Heritages und Realities. Als Zuhörerin bekam man beim Eintreten in den Kongresssaal zwei Bücher ausgehändigt: das Programm des Kongresses und ein Heft mit dem Titel: „What’s in a Discipline?“. Interessant daran ist besonders das Titelbild. Es zeigt unzählige Tontöpfe, die mit unterschiedlich farbigen Gewürzen gefüllt sind: rot, blau, grün, gelb, orange, usw. Es könnte die Interdisziplinarität und Vielfältigkeit der Disziplin Kulturwissenschaft betonen. Oder es verweist auf das Kongress-Panel zum Thema Food, das mich sehr interessierte und von dem ich einige Vorträge besucht habe.
Emily Harries

Der Auftakt des 12. SIEF-Kongresses in Zagreb bestand unter anderem aus der Opening Keynote von Orvar Löfgren mit dem Titel „Living in the Past, the Present and the Future: Synchronizing Everyday Life“. In den Fokus seines Vortrages stellte der Referent ein allen bekanntes Objekt: den Koffer. Alltagsnah und verständlich amüsierte er uns mit Erzählungen und Ausführungen rund um diesen Gegenstand. So berichtete er unter anderem von Filmen, in denen ein Koffer symbolisch vorkommt. So kann das Kofferpacken in Filmen beispielsweise als Zeichen für den Beginn eines neuen Lebens stehen. Löfgren warf auch eine historische Perspektive auf das Reisen und den Koffer: Noble Leute mussten zum Beispiel zu Beginn des Tourismus weder den Koffer selber packen noch diesen tragen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Massentourismus und das Reisen war nicht nur noch den Wohlhabenden vorenthalten. Löfgren beschrieb den Koffer zudem als einen limitierten Container, beim Packen kommt die Fähigkeit des Antizipierens zum Zuge. Koffern rahmen die Vorbereitungen für eine Reise und stellen ein privates Universum dar. (...) Der Redner schloss mit der Aussage, dass es sich beim Koffer um einen trivialen Gegenstand handle, der für die Vergangenheit (Heritage), das Jetzt (Reality) und die Zukunft (Utopia) stehe und auch für Träume, Möglichkeiten oder Stetigkeiten. Der Koffer: Ein Gegenstand, der leer praktisch nichts aussagen, aber gefüllt oder/und kontextualisiert viele Geschichten erzählen kann.
Samira Clemenz

Im Gegensatz zu Anderen packen wir unsere Koffer nicht für immer, sondern wir werden nur für kurze Zeit – genauer gesagt für vier Tage – in eine neue, zusammengefügte Welt eintauchen. Unsere Koffer tragen schon Gebrauchsspuren, wie Orvar Löfgren in seinem Eröffnungsvortrag so treffend bemerkt hat: Wir bringen Erfahrungen, Erinnerungen, Gewohnheiten und Wissen mit uns und das gilt nicht nur für uns, sondern für alle Teilnehmer_innen des Kongresses aus den verschiedensten Ländern und Fachkontexten. Was wir ausser genügend Kleidung, Toilettenartikel und Geld in unsere Koffer packen? Gewiss eine grosse Menge an Erwartungen, etwas Hoffnung und eine kleine Prise Nervosität, Unsicherheit und die Redner_innen vielleicht sogar ein wenig Angst. Was wir fast ganz hinter uns lassen? Hierarchien und gewohnte Zeitstrukturen. Wir verlassen unseren Alltagskontext, sind sozusagen entkontextualisiert. Jeder bekommt ein blaues Namensschild, ohne universitären Titel wohlbemerkt, von den Wenigsten weiss man also, welche Position sie in ihrem gewohnten Alltag bekleiden. Innerhalb der Welt des SIEF-Kongresses begegnet man sich auf Augenhöhe und richtet sich nach einem neuen Zeitplan.
Elena D’Orta

Das Gastgeberland Kroatien steht als jüngstes EU-Mitglied momentan unter zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen. Die historische Aufarbeitung der Vergangenheit war am Kongress deutlich spürbar. Dies zeigte sich sowohl in der klaren politischen Positionierung der kroatischen Forscherinnen, als auch in der progressiven, zukunftsgewandten EU-Ausrichtung der vorgestellten Forschungsfelder. Die kriegerischen und ideologischen Konflikte der letzten zwanzig Jahre habe ich als Schweizerin nur tangential erfahren. Deshalb erschien es mir als ein grosses Privileg, einen derart klaren Einblick in die aktuelle ethnologische Forschung Kroatiens zu erhalten. Es wurde mir bewusst, wie in anderen Ländern die Disziplin nach wie vor politisch aufgeladen ist.. Die Wahl des Themas für den diesjährigen SIEF-Kongress war deshalb äusserst passend gewählt. Der Titel „Utopias Realities Heritages. Ethnographies for the 21st Century“ vermochte einen weiten Bogen zu spannen, zwischen Früher und Heute, zwischen Hier und Dort. Der Kongress eröffnete ein weites Spektrum an Forschungsgebieten und Diskussionsansätzen. (...) Der zweite Teil des Titels „Ethnographies for the 21st Century“ ist hingegen deutlich zukunftsgewandter. Er macht den Eindruck heutige und künftige Projekte legitimieren zu wollen. „Uns braucht es auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert!“, so die Rede. Die Rolle der Forscher_innen wurde dabei klar kommuniziert: Wir hätten die Fähigkeit, Imaginationen, Projektionen, Wünsche und Ängste der Menschen zu registrieren. Im einundzwanzigsten Jahrhundert sei diese Veranlagung deshalb von grosser Relevanz. Täglich würde unsere Gesellschaft mit herausfordernden Fragen konfrontiert. Deshalb sei es umso wichtiger, auf einer kritischen Plattform zu hochstehenden Diskussionen anzuregen. Der SIEF-Kongress konnte das Fundament dazu schaffen.
Saskia Kobelt

Bleibt die verbindende, reflektierende, austauschende Komponente des SIEF-Kongresses nun aber also eine Utopie, da er zu umfangreich ist und zu wenig Platz für Austausch und die gemeinsame Besprechung der vorgestellten Forschungen bietet, obschon dieser kritische und austauschende Aspekt in den verschiedenen Vorworten des Kongressbuches immer wieder erwähnt wird? Oder steht sowieso etwas Anderes im Vordergrund? Wie ist es zu verstehen, wenn der Kongress angepriesen wird mit den Worten: “it’s going to be a rollercoaster, fun, stimulating and inspiring“? Und wie wichtig ist er für die Stadt Zagreb und das Land ausserhalb der kulturwissenschaftlichen Institutionen? Wird doch beispielsweise an mehreren Stellen des Kongressbuches auf Ausflugsmöglichkeiten in ganz Kroatien hingewiesen, werden seitenweise Aktivitäten in Zagreb vorgestellt und Sonderangebote angepriesen. Und auch für die Universität Zagreb und vor allem für die am Kongress beteiligten Fächer ist dieser Grossanlass von hoher Bedeutung, trägt er doch zur Bekanntmachung und „Legitimation“ des Faches bei, mit der dieses ja bekanntlich immer wieder etwas zu kämpfen hat.
Céline Haas

Die Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten der Panels sowie an verschiedenen Darstellungs- und Vortragsformen ist auf die internationale Veranlagung des Kongresses zurückzuführen. Erst durch das Zusammentreffen von Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt werden solch eine Diversität und ein Vergleich möglich. Es war eine faszinierende Erfahrung, zu sehen und zu hören, dass Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt – zwar mit jeweils eigenen Schwerpunkten und Fachverständnissen – an gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Themen arbeiten. (…) Es gab mehrere Vortragende, die einen ausgeprägten muttersprachlichen Akzent oder Schwierigkeiten mit der englischen Aussprache hatten, sodass man sie kaum verstehen oder dem Gesagten nur mit einem Höchstmass an Aufmerksamkeit folgen konnte. Dies war zuweilen schade, da der Inhalt dieser Vorträge sicher interessant gewesen wäre. Neben etwas Enttäuschung darüber, aus diesen Vorträgen aufgrund der Verständnisschwierigkeiten nicht besonders viel mitgenommen haben zu können, gesellte sich aber auch Bewunderung für die Vortragenden, die sich trotz ihres starken Akzents oder ihrer Artikulationsschwierigkeiten souverän vor die Zuhörerschaft stellten. Das Englische diente zwar als Verkehrssprache, die es ermöglichte, sich über Fachliches auszutauschen, dennoch stellte sie einige vor unterschiedliche Herausforderungen.
Tanja Bühler

Fest steht, dass trotz der enormen Vielfalt an Themen und Disziplinen einige gemeinsame Anliegen bestehen bleiben, welche die SIEF-Mitglieder seit Jahren miteinander verbinden. Während eines solchen internationalen Kongresses merkt man, was all die Kulturwissenschaftler_innen auf der Welt verbindet und wie viele Forschende es gibt, die sich mit Ähnlichem beschäftigen. Gleichzeitig ist es auch eine willkommene Abwechslung, anderen Forscher_innen zuzuhören, die man nicht vom eigenen Seminarbetrieb schon kennt, und zu sehen, was sonst noch so getan wird in unserem Fach. Genauso interessant ist e saber auch, die am eigenen Institut bekannten Personen hier in einem anderen umfassenderen Kontext zu sehen. So macht vieles, an dessen Relevanz für die Forschung man vielleicht zweifelte, wieder mehr Sinn, man erkennt grössere Zusammenhänge besser und sieht einzelne Forschungen in einen grösseren Kontext eingebettet. Durch den SIEF-Kongress fühlt man sich also bestärkt darin, im eigenen Fach etwas Wichtiges, Sinnvolles zu tun, denn man erkennt, wie viele Menschen auf der ganzen Welt sich mit denselben Fragestellungen beschäftigen.
Céline Haas

Die Grösse und Dichte des Kongresses prägte dessen Rhythmus. Durch den hohen Zeitdruck war es schier nicht möglich, sich mit Kritik auseinanderzusetzen oder überhaupt Aussagen in Frage zu stellen. Man war da, um zu konsumieren und nicht um zu hinterfragen. Für die Repräsentation nach aussen jedoch war der Umfang des Kongresses von hoher Relevanz. Man wollte sich in Zagreb präsentieren und tat dies mit Erfolg. Nach innen liess die Grösse des Kongresses das Gefühl der Stärke und des Zusammenhalts wachsen. Im Endeffekt war es also scheinbar weniger wichtig, wie der Kongress verlaufen ist, sondern viel eher, dass er stattgefunden hat.
Saskia Kobelt

Mit grosser Spannung und vielen Fragen reiste ich an den SIEF-Kongress: Was für Leute treffe ich an? Woher kommen diese? Sind sie eher jung oder alt? Wie werden die Vorträge und wie das ganze Drum und Dran? Ich verliess Zagreb mit einem ‚Koffer’ voller neuer Impressionen, Aspekte und Einblicke in neue Untersuchungsgebiete. Ich fand es eine tolle Sache, und es hat mir gefallen!
Samira Clemenz