Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie

Die Kulturanthropologie erforscht kulturelle Prozesse in Europa. Im Mittelpunkt stehen dabei die alltäglichen Selbstverständlichkeiten und Lebensweisen der Menschen. Kultur, ein Schlüsselbegriff der Kulturanthropologie, meint nicht „Hochkultur“ oder bildungsbürgerliches Kapital, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Menschen ihr Leben gestalten und ihm Sinn verleihen, und die Regeln, nach denen sie miteinander verkehren, sich untereinander verständigen und voneinander abgrenzen. Wie reagieren sie auf Veränderungen und Herausforderungen des Alltags? Wie leben Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Vorstellungen in komplexen Gesellschaften zusammen? Wie entstehen Identitäten und Zugehörigkeiten, Stereotype und Feindbilder, wie Geschlechter-, Generationen- und Schichtverhältnisse? Die Kulturanthropologie untersucht die vielfältigen Erfahrungswelten und Lebensstile, z. B. Medienkonsum, Szeneaktivitäten, Ernährungsgewohnheiten, Kleidungsstile, Freizeitbeschäftigungen und Identitätspolitiken. Sie analysiert die Zusammenhänge zwischen dem Lokalen und dem Globalen, der Gegenwart und der Geschichte, dem Vertrauten und dem Fremden, dem Überlieferten und dem Neuen. Dabei zeichnet sie sich durch einen mikroanalytischen Blick auf konkrete Räume, Ereignisse, Situationen und Menschen aus. Sie arbeitet sowohl mit ethnographisch-qualitativen Methoden der Feldforschung (teilnehmende Beobachtung, Interviews) als auch mit historischen, bild-, und objektanalytischen Untersuchungswerkzeugen. Immer wird dabei Kultur als dynamischer Aushandlungsprozess verstanden, nicht als ein statisches Gebilde von ehern scheinenden Werten. Traditionen sollen als Güter im Wandel gesehen werden. Menschen formen, entwickeln und verändern mit ihren Handlungen jene Werte, die wir mit dem Begriff Kultur verbinden.


Forschungs- und Lehrschwerpunkte des Seminars

 

Zur Geschichte des Seminars

Die Volkskunde etablierte sich zwar relativ früh an der Universität, der institutionelle
Ausbau verlief dann eher zögerlich.
 
In Stichworten: erster Lehrauftrag (im Rahmen einer germanistischen Professur) an Eduard Hoffmann-Krayer 1900. Erste Doktorate (in Deutscher Philologie, mit volks- kundlicher Thematik) an Adèle Stoecklin (1909), Paul Geiger (1911), Hanns Bächtold- Stäubli (1913), spezifizierter Lehrauftrag für Volkskunde der Antike im Rahmen der Klassischen Philologie an Karl Meuli (1926) und für Historische Hilfswissenschaften und Volkskunde des Mittelalters für Hans-Georg Wackernagel (1930).
 
Als erster Volkskundler im strengen Sinn habilitierte Paul Geiger 1939, als zweiter Hans Trümpy 1956. 1957 wurde das Fach als Prüfungsfach anerkannt,  1961 das Seminar errichtet, 1965 Trümpy zum Ordinarius ernannt. Nach seiner Emeritierung konnte die Volkskunde immerhin mit einer vollamtlichen Dozentur weiter vertreten werden, die Christine Burckhardt-Seebass wahrnahm und 1997 zur Ordinaria befördert wurde. Walter Leimgruber übernahm das Ordinariat 2001.

Weitere Informationen zur Geschichte des Fachs sind hier zu finden.