Projekte

Auswanderung aus der Schweiz – Drei Fallstudien

Projektleitung

Walter Leimgruber

Co-Projektleitung

Jacques Picard

Mitarbeiter

Aldina Camenisch; Seraina Müller

Finanzierung

Swiss National Science Foundation (SNSF)

Zeitraum

Beginn: 01. Aug 2013
Abschluss 31. Jul 2017

Beschreibung

 

Das vorliegende Forschungsprojekt rückt die Schweizer Emigration mit all ihren Implikationen und Fragestellungen in den Fokus. Das Phänomen soll aus kulturanthropologischer Perspektive die neuen Migrationsformen untersuchen, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben haben. Das vorherrschende dichotomische Emigrations-Bild, das von einer einmaligen Bewegung vom alten in ein neues Land ausgeht, passt nicht mehr zu gegenwärtigen Wanderbewegungen, die verschiedenste Formen mit einschliessen. Die überlieferten Muster („in der Fremde ein neues, besseres Leben aufbauen“) reichen als Erklärung nicht mehr aus. Für Menschen aus wohlhabenden Ländern wie der Schweiz mit ihrer wissensbasierten und kapitalgetriebenen Gesellschaft ergeben sich durch die Möglichkeiten der modernen Mobilität neue, vielfältige Formen der individuellen Lebensgestaltung an unterschiedlichen Orten dieser Welt. Dies schliesst z.B. mehrfach gereihte (Re-) Migrationserfahrungen in mehr als nur zwei Ländern bzw. Orten ein, aber auch die Pflege eines sozialen Netzes das verschiedene Orte und Staaten umspannt. Das vorliegende Projekt beabsichtigt, die Bedeutungen und die Formen der heutigen Auswanderung aus der Schweiz zu untersuchen, neue Migrations- ebenso wie neue Lebensformen (Multilokalität) zu erschliessen und die daraus resultierende Konstruktion migrantischer wie transnationaler Biographien zu analysieren. Im Fokus stehen Auswanderinnen und Auswanderer in drei Regionen, ausgewählt als eine jeweils möglichst repräsentative Gruppe, die nach der Methode des theoretischen Samplings zusammengestellt wird. Die Ausgewanderten werden mit Hilfe von offenen Interviews und teilnehmender Beobachtung zu ihrem sozialen und beruflichen Hintergrund, zur Motivation ihrer Emigration, zu den verschiedenen Phasen ihrer Migration und gegebenenfalls auch zu ihrer Rückkehr in die Schweiz oder zur Wanderung in weitere Länder, aber auch zu ihren Erfahrungen mit den Integrationsprozessen und zur Einbettung ihrer Auswanderung in ihre Biographie befragt. Es geht darum, neue Formen der Emigration wie auch die daraus entstehenden Lebensweisen, Netzwerke und Kommunikationsformen, die AuswandererInnen heute pflegen, exemplarisch zu untersuchen. Dabei stehen zwei Regionen im Zentrum des Interesses: a) Skandinavien, das ähnliche sozio-kulturelle und wirtschaftliche Bedingungen wie die Schweiz aufweist. b) Die Volksrepublik China mit einer sehr hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungsdynamik und einer raschen Zunahme der Auslandschweizerpopulation. Bislang gibt es kaum Forschung zur Schweizer Emigration der Gegenwart. Das vorliegende Forschungsprojekt möchte dazu beitragen, diese Lücke zu schliessen.

 

‹ zurück zur Liste